Messerstecherei unter Jugendlichen

Ruhe bewahren

Eine körperliche Auseinandersetzung unter Jugendlichen eskaliert häufig innerhalb weniger Sekunden. Ein Messer wird gezogen, jemand wird verletzt – plötzlich steht ein Jugendlicher im Mittelpunkt schwerster Ermittlungen.

Für Familien beginnt oft ein absoluter Ausnahmezustand: Polizeieinsatz, Festnahme, Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung von Kleidung und Handy, Vorwürfe des versuchten Totschlags oder der gefährlichen Körperverletzung.

Wichtig ist jetzt: Ruhe bewahren.

Viele Jugendliche handeln in solchen Situationen impulsiv, aus Angst oder unter Gruppendruck. Die strafrechtliche Bewertung ist häufig wesentlich komplexer als die erste Darstellung der Polizei vermuten lässt.
Nicht jeder Vorwurf stimmt. Im Getümmel kann vieles passieren. Es gibt zahlreiche Konstellationen von Notwehr. Hat vielleicht sogar jemand anderes zugestochen und du bist aber ins Visier der Ermittlungen geraten?

Nicht jede schwere Verletzung bedeutet automatisch einen Tötungsvorsatz. Genau hier entscheidet professionelle Verteidigung.


Beweislage und deren Fallstricke

Messerdelikte spielen sich meist in chaotischen Situationen ab:

  •  nachts, 
  •  unter Alkoholeinfluss, 
  •  in Gruppen, 
  •  unter emotionalem Stress. 


Zeugen widersprechen sich häufig. Beteiligte wechseln später ihre Aussagen. Videos zeigen oft nur Ausschnitte. Es liegt insgesamt ein dynamisches Geschehen vor. Und hieraus sollen jetzt konkrete Tathandlungen und ein Tötungsvorsatz abzuleiten sein? Da haben wir ein Wörtchen mitzusprechen. Gerade rechtsmedizinische Bewertungen spielen hier eine enorme Bedeutung. Wie sehen Stichkanäe und Blutspuren aus? Was gibt der Tatort über das Geschehen wieder? Auch aussagepsychologische Aspekte sind wichtig. Welcher Zeuge sagt was? Wer konnte überhaupt was wahrnehmen? Wer ist glaubwürdig oder will sich nur selbst schützen?

Besonders problematisch:

  •  Aussagen von Freunden 
  •  Belastungen innerhalb von Jugendgruppen 
  •  Social-Media-Kommunikation nach der Tat 
  •  Provokationen vor dem Vorfall 
  •  Notwehrsituationen 
  •  spontane Eskalationen 


Jugendliche unterschätzen vor allem die Bedeutung ihrer digitalen Kommunikation. Sprachnachrichten, Emojis oder „Angeber-Nachrichten“ wirken vor Ermittlungsbehörden oft massiv belastend.

Ein häufiger Fehler: Jugendliche versuchen direkt nach der Tat, sich zu entschuldigen oder die Situation zu erklären. Sie kommunizieren über das Geschehen. Ein Fehler! Diese Aussagen werden später häufig gegen sie verwendet.


Rechtslage und deren Fallstricke

Schon der Einsatz eines Messers führt schnell zu drastischen strafrechtlichen Vorwürfen:

  •  gefährliche Körperverletzung 
  •  schwere Körperverletzung 
  •  versuchter Totschlag 
  •  versuchter Mord 


Die Frage des Tötungsvorsatzes ist häufig der zentrale Punkt des gesamten Verfahrens.

Die Ermittlungsbehörden gehen bei Messerstichen oft zunächst von einem Tötungsvorsatz aus – selbst wenn die tatsächliche Situation wesentlich komplizierter war.

Hausdurchsuchungen und Untersuchungshaft sind extrem häufig.

Besonders gefährlich:

  •  Mitführen eines Messers im Vorfeld 
  •  Chatankündigungen 
  •  Gruppendynamiken 
  •  angebliche Rachemotive

 


Meine Aufgabe als Jugendstrafverteidigerin

Meine Aufgabe besteht darin, den tatsächlichen Ablauf sichtbar zu machen und vorschnelle Bewertungen zu verhindern. Ziel ist es, eine Anklage oder Verurteilung zu verhindern. Ist dies nicht möglich, ist eine milde Bestrafung und Vermeidung einer Gefängnisstrafe das absolute Hauptziel.

Ich bin Anwältin für Gewaltdelikte und arbeite hochspezialiisiert in diesem Bereich. Hierbei bin ich besonders geschult in den Hilfswissenschaften:

  • Sexualmedizin
  • Aussagepsychologie
  • Forensische IT
  • Rechtsmedizin


Diese Bereiche sind nicht von der klassischen juristischen Ausbildung erfasst. Achten Sie bei der Wahl Ihres Anwalts dringend auf eine entsprechende Expertise. Diese ist wirklich unerlässlich!



Ich prüfe insbesondere:

  •  die tatsächliche Dynamik der Auseinandersetzung, 
  •  mögliche Notwehrsituationen, 
  •  Widersprüche in Zeugenaussagen, 
  •  die medizinische Bewertung der Verletzungen, 
  •  die Frage des Vorsatzes, 
  •  die psychische Situation des Jugendlichen. 


Gerade im Jugendstrafrecht ist entscheidend, ob eine spontane Eskalation oder ein gezielter Angriff vorlag.

Ich arbeite frühzeitig daran,

  •  Untersuchungshaft zu vermeiden, 
  •  belastende Aussagen zu verhindern, 
  •  digitale Beweise einzuordnen, 
  •  schulische und soziale Folgen zu begrenzen. 


Handlungsanweisung an Eltern, Jugendeinrichtungen, Angehörige und Beschuldigte

Für Eltern

  •  Keine Panik. 
  •  Sofort anwaltliche Unterstützung organisieren. 
  •  Keine Diskussionen über den Tatablauf. 
  •  Keine Kontaktaufnahme zum mutmaßlichen Opfer. 
  • Vom Zeugnisverweigerungsrecht als Eltern Gebrauch machen. Dadurch machen Sie Ihr Kind nicht verdächtig - sondern das ist vollkommen normal.


Für Jugendeinrichtungen

  •  Den Jugendlichen stabilisieren. 
  •  Keine eigenen „Vernehmungen“. 
  •  Keine Drucksituationen erzeugen. 
  • Hilfe organisieren bei Stillstand.


Für Angehörige

  •  Keine sozialen Medien. 
  •  Keine Gerüchte verbreiten. 
  •  Keine emotionalen Schuldzuweisungen. 


Für Beschuldigte

  •  Schweigen. Vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. Dadurch macht ihr euch nicht verdächtig - sondern das ist vollkommen normal. 
  •  Keine Entschuldigungsnachrichten. 
  •  Keine Löschung von Chats. 
  •  Keine Gespräche mit Mitbeschuldigten.


Nehmen Sie Kontakt auf:

[email protected]
0231 952 5041
Rechtsanwältin Hannah Funke
Fachanwältin für Strafrecht
Jugendstrafverteidigerin